Vor ein paar Tagen waren wir in Kalabrien. Dort besuchte ich mit Giovanni Bauer Diano, damit wir uns und euch ein Bild vom Stand der Dinge machen konnten.

„Das Wetter in diesem Sommer war die optimale Voraussetzung für eine reiche und hochwertige Ernte“, verriet uns Diano schon mal im Vorfeld. Seit dem Frühjahr ist Diano damit beschäftigt, die Bäume zu pflegen, sie auf Schädlinge zu untersuchen und den Boden locker zu halten, damit die Wurzeln optimal an Wasser und Nährstoffe kommen. Hier und da wird nachgeschnitten und welke Blätter entfernt, aber alles in allem kann jetzt nicht mehr viel getan werden. Die Hauptarbeit fällt für die anderen 2/3 des Hains an. Nämlich die Bäume, die dieses Jahr keine Früchte tragen. Diese Bäume müssen beschnitten, veredelt, abgebunden und gepflegt werden. Ein Teil von Ihnen wird die Ernte des nächsten Jahres tragen, während der Rest ausruhen darf.

Oliven sind im gesamten Mittelmeerraum Mitte bis Ende November richtig reif. Allerdings spielt das bei „schneller und billiger“ keine so große Rolle wie es das tun sollte.

In der Toskana zum Beispiel werden die Oliven teils Wochen zu früh und noch grün geerntet, um die Olivenbäume schneller wieder fit zu machen für die nächste Fruchtfolge. Das Öl ist dadurch sauer und scharf. Verkaufen lässt es sich trotzdem, umso mehr, nachdem das einfach als spezielles Merkmal angepriesen wird. Die Leute glauben das. Dabei kommt die Schärfe durch den hohen Säuregehalt und die Bitterstoffe, die sich erst mit der Reife zurückbilden würden. Zwar darf natives Olivenöl Extra einen maximalen Säureanteil von 0,4% aufweisen, aber die Realität sieht da meist anders aus.

Warum werden die meisten Oliven dann aber schon so früh geerntet? Der Grund liegt auf der Hand: Da die Oliven dem Baum im letzten Monat der Reife mehr Energie entziehen als in den Wochen davor insgesamt, benötigt der Baum diese erwähnten 2 Jahre Pause um sich erholen zu können. Erspart man dem Baum diese Zeit, kann man ihn für die Ernte im nächsten Jahr auch wieder verwenden. Das steigert zwar den Ertrag, drückt allerdings die Qualität. Um das Öl trotzdem gewinnbringend verkaufen zu können, wird mit angeblichen gesundheitsförderlichen Substanzen aus der unreifen Olive geworben.

Das tun wir bei Eulivenöl nicht und geben der Frucht einfach die Zeit, die sie zum Reifen braucht und der Baum wird in den wohlverdienten Urlaub geschickt. So, wie es die Natur vorgesehen hat.

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