Von 08.10. bis zum 11.10.15 warn Giovanni und ich ja in seiner Heimat bei Bauer Diano. Ich war erst einmal überwältigt von der Landschaft. Ein paar Impressionen gibt es im  Video.

 

Alleine dafür lohnt es sich schon, nach Crotone zu fahren.

Leider mussten wir an Florenz, Verona und Rom vorbeifahren ohne einen Blick darauf werfen zu können, denn unser Zeitfenster war sehr schmal. Aber die Reise gestaltete sich völlig problemlos, da die Straßen gut ausgebaut sind und wir über Nacht gefahren sind. Nur die Spritpreise in Italien lassen einen erst einmal zusammenzucken. Da stehen schon mal 1,50€ pro Liter Diesel auf der Uhr, statt den 1,08€ die wir momentan in Deutschland gewohnt sind. Das habe mit der Steuerpolitik zu tun, ließ ich mich aufklären: Die KFZ-Steuern in Italien sind vergleichsweise sehr günstig. Dafür ist eben der Sprit teuer. Denn nur die, die auch viel fahren, sollen auch viel zahlen. Leuchtet ein. Setzt aber eine volksnahe Legislative voraus, die mitdenkt.

Die letzten Kilometer kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wunderschöne kleine Dörfer, grüne Hügel, Olivenhaine wohin das Auge blickt und überall uralte Gutshäuser, die allerdings zum Teil schon zerfallen waren und als Ruinen zwischen den Feldern und Bäumen für Postkartenstimmung sorgten.

Angekommen in Crotone gab es erst mal einen herzlichen Empfang von Giovannis Eltern, die sich dort zur Ruhe gesetzt haben. Und natürlich gab es reichlich zu essen. Der Tisch bog sich vor kalabresischen Spezialitäten: Gebackenes Hähnchen, Hackfleischbällchen, Kalbsmedaillons, ein Eierkuchen mit einer Art Spinat darin, Salate und Obst. Es war köstlich!

Gleich darauf machten wir uns auf zu einer Erkundungstour. Giovanni entdeckte seine Heimat neu und ließ mich daran teilhaben. Er zeigte mir als erstes das Dorf Santa Severina, das im 9. Jahrhundert auf einem Felsen erbaut wurde. Bis heute sind viele der Häuser noch aus dieser Zeit. Auch die Burg ist sehr gut erhalten. Von außen ist das Dorf schon ein sensationeller Anblick, aber im Inneren scheint die Zeit stillgestanden zu sein. Ein Spaziergang durch die engen Gassen und über die altertümlichen Plätze kommt einer Zeitreise gleich.

Dann ging es weiter nach Le Castella, einem malerischen Dorf direkt am Meer, wo eine alte Burg auf eine winzige künstliche Insel gesetzt wurde und auch einen sehr beeindruckenden Anblick bietet. Auch Le Castella ist im Video zu sehen. Allerdings wirkt es hier nicht annähernd so schön, wie es in Natura ist. Hier blieben wir dann auch zum Mittagessen und genossen die Sonne. Obwohl der Wetterbericht einen verregneten Tag prophezeit hatte, konnten wir uns bei 27° und strahlendem Sonnenschein nicht wirklich beschweren.

Am zweiten Tag dann der Besuch bei unserem Olivenbauern. Dieser konnte es auch kaum erwarten, uns seine Bäume zu zeigen und uns zu fast jedem davon eine Geschichte zu erzählen. Zumindest hatte es den Anschein. Die Oliven hingen auch schon dunkelgrün und saftig an den Ästen. Er zeigte uns, dass auch die ersten Früchte schon reif sind und herunterfallen. Das sei aber jedes Jahr so, dass es ein paar „Frühreife“ gibt die randalieren. Diese würden allerdings die Qualität der Ernte und auch den eigentlichen Zeitpunkt verraten, an dem es dann wirklich losgeht. Er prognostizierte uns den 10. November. Und dann berichtete er freudestrahlend, dass es dieses Jahr eine selten gute Ernte geben werde und die Ausbeute sehr gut wäre, weil das Klima perfekt gewesen sei. Somit könne er auch die Verbraucher in der Region direkt beliefern und könne so den Literpreis stark senken.

Wir besichtigten die Haine und konnten uns nun direkt ein Bild davon machen, wie die Pflege umgesetzt wird. Natürlich zeigte er uns auch die Bäume, die dieses Jahr „Urlaub“ haben, wie er es nannte. Diese standen frisch beschnitten im aufgelockerten Boden und konntenn sich nun erst einmal erholen. Ganz besonders stolz sei er, dass er ohne jeglichen Einsatz von Chemie seine Bäume so wunderbar gesund erhalten könne. Das sei das Ergebnis von Erfahrung, die seit Generationen weitergegeben wird.

Außerdem haben sich ein paar Bauern, Metzger, Bäcker und Imker aus der Region, inspiriert durch unsere Kampagne, zusammengetan und haben eine Bauern-Kooperative gegründet. Die Mitglieder treffen sich nun jede Woche und diskutieren, wie sie ihre Produkte wieder nachhaltig, ehrlich und natürlich herstellen können. Schließlich wären alle Voraussetzungen gegeben, und es mache sich schon lange ein Unmut bemerkbar, weil ihnen bewusst wird, dass die Industrialisierung zwar anfangs Arbeitsplätze gebracht hat, letztendlich die schöne Gegend kaputt und die Leute krank macht.

Diese Neuigkeit freute uns natürlich auch extrem, und wir machten uns, zuhause angekommen, sofort ans Rechnen. Die Ersparnis beträgt über 20%. Und selbstverständlich werden wir diesen Preis auch an euch weitergeben. Zur Feier des Tages lud Giovanni mich abends zum Essen in ein Lokal seines Onkels ein. Hätte ich gewusst was da auf mich zukommt, hätte ich eine Woche davor eine Diät eingelegt. Obwohl Giovanni ständig erwähnt, dass die kalabresische Küche eher einfach ist, habe ich doch selten so gute Meeresfrüchte und gegrillten Fisch gegessen. Auch das Gebäck zum Dessert war ein Gedicht.

Mit vollem Magen schleppten wir uns wieder in unsere Unterkunft. Dieser Tag war ein voller Erfolg.

Da wir nun alles erledigt hatten und es am nächsten Tag sehr stark zu regnen begonnen hat, beschlossen wir, unsere Zelte abzubrechen und wieder nach Deutschland zu fahren um die gewonnenen Erkenntnisse in das Konzept einzuarbeiten. Somit ist ab sofort nicht nur das Eulivenöl günstiger, sondern alle, die schon bestellt haben, können sich über die Rückzahlung der Differenz freuen. So sieht für uns eine kollektive Initiative aus!

Die letzten Wochen bis zur Ernte gibt es noch viel zu tun, und ich freue mich schon auf die nächste Reise im November, wenn wir dann live bei der Ernte dabei sein können und euch den Lohn der Mühen mit nach Deutschland bringen können.

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