Als selbsternannter Feinschmecker und mit einer Schwäche für gutes Olivenöl, schlendere ich gerne durch die Gänge in Feinschmeckerläden mit den Ölen, pilgere zu Märkten und teste in jedem neuem italienischen Lokal „Caprese“ an, eher bekannt als „Tomate-Mozzarella“. Kaum ein anderes Gericht bringt, richtig zubereitet, den Geschmack eines Olivenöls besser zur Geltung. Und da hatte ich vor kurzem mit einem Italiener in Erding bei München wohl eine sehr gute Wahl getroffen: Ich bekam  einen Mozzarellasalat mit dem besten Olivenöl serviert, das mir bisher an den Gaumen gekommen ist. Zuerst dachte ich, dass hier noch mit einem speziellen Gewürz nachgeholfen wurde. Der Geschmack war zwar sehr intensiv fruchtig, aber auf keinen Fall aufdringlich. Natürlich hab ich mich sofort beim Wirt namens Giovanni erkundigt, ob das denn käuflich zu erwerben sei und wenn ja, woher man es beziehen könne. Dieser musste mich allerdings mit einer bedauernden Miene enttäuschen und erklärte mir, dass es sich hier nicht um im Laden gekauftes, sondern traditionell hergestelltes Öl aus seinem kalabresischen Heimatort handelt. Er könne mir leider auch nichts davon verkaufen, da er selbst bis zur nächsten Ernte haushalten muss. Diese sei aber glücklicher Weise schon Mitte bis Ende November. So genau könne man das nicht sagen, denn die Oliven werden geerntet, wenn sie reif sind. Nicht eher.

Natürlich ließ ich nicht locker und wollte alles über die Herkunft und die Besonderheiten dieses Öls wissen, was Giovanni mir auch gerne beantwortete. Er verriet mir, dass die Olivenöltradition in Crotone Calabria schon seit vielen Generationen gepflegt und großen Wert auf die Qualität gelegt wird. Das Problem sei allerdings die Industrialisierung und der Aufkauf durch Großhändler, die den Preis kaputt machen und die Bauern dazu zwingen, die Erträge zu steigern bei gleichzeitiger Einsparung von Personal, Ressourcen und auf Kosten der Qualität. Natürlich werde, dozierte er, die Oliven traditionell nicht maschinell gepflückt und gepresst, sondern nach alter Tradition mechanisch mit einem Mühlstein schonend kalt gepresst. Was er besonders hervorgehoben hat: es handelt sich wirklich um die erste und unbehandelte Pressung, warum das Öl auch ein wenig trüb sei. Aber der Geschmack spreche für sich, zwinkerte er mir zu und träufelte ein paar Tropfen auf eine Weißbrotscheibe, die er mir reichte. Als ich, wie sonst auch, Salz auf das ölige Brot streuen wollte, hielt er mich davon ab und meinte, ich solle es ohne Gewürze probieren. Der Unterschied zu anderen Ölen, die ich bisher probiert habe, war wirklich unglaublich: Hier handelte es sich nicht um eine Beigabe, sondern dieses Öl war der Mittelpunkt des Geschmackserlebnisses. Und genau hier entstand die Idee, nach Crotone zu fahren, mir den Herstellungsprozess genauer anzusehen und bei der Gelegenheit gleich ein paar Flaschen mit nach Deutschland zu nehmen.

Ein riesiges Problem gebe es aber noch: Da die Großhändler mittlerweile auch aus den arabischen Ländern Oliven minderer Qualität zu lächerlich geringen Preisen beziehen, müssen die Olivenbauern in Kalabrien sich diesem Trend anpassen. Somit werden wertvollste Oliven praktisch verramscht. Ein regelrechtes Sterben von traditionellen Familienbetrieben hat eingesetzt.

Es musste doch eine Möglichkeit geben, dem entgegenzuwirken!

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